Jugendextremismus im Fokus: Ideologische und religiöse Zusammenhänge verstehen – Gemeinsame Fachtagung von Polizei und Universität Osnabrück

Wie können Jugendliche in Deutschland besser vor radikalen und extremistischen Tendenzen geschützt werden? Über diese und ähnliche Fragen diskutierten heute (16.02.17) rund 250 Gäste bei dem vierten gemeinsamen Symposium von Polizeidirektion und Universität Osnabrück im Osnabrücker Schloss zu dem Thema „Jugendextremismen und soziale Räume".

„Kein Jugendlicher wird als Extremist geboren", stellte der freie Extremismusexperte Dr. Rudolf van Hüllen in seinem Vortrag fest. Vorausgehend sei immer ein kürzerer oder längerer Prozess der Radikalisierung. Leider werden die Menschen, die sich in einen Radikalisierungsprozess befänden, immer jünger. Als Grund nannte van Hüllen extreme Gruppierungen, denen es immer öfter gelinge, über das Internet als virtuell geschützten Raum, junge Menschen in ihrer Entwicklungsphase zu beeinflussen und für sich zu gewinnen.

Das soziale Umfeld präge im Wesentlichen die Kinder und Jugendlichen. Dabei spielten Werte und Normen eine entscheidende Rolle, so Bernhard Witthaut, Präsident der Polizeidirektion Osnabrück, bei seiner Begrüßung. Witthaut: „Wir müssen es schaffen, die Werte zu festigen, damit junge Menschen nicht vom Weg abkommen. Dazu gehöre auch die richtige Integration und Prävention aller in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen." Professorin Dr. Martina Blasberg-Kuhnke von der Universität Osnabrück betonte: „Jugendliche sind unsere Zukunft. Wir müssen Jugendextremismus in sozialen Räumen identifizieren und verstehen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen."

Erkenntnisse aus den Workshops und Diskussionsrunden sind: Erstens: Um die Jugendlichen auf die Gefahren des Extremismus hinzuweisen und frühzeitig auf eine mögliche Radikalisierung reagieren zu können, ist der Ausbau von Präventionsnetzwerken erforderlich. Zweitens: Prävention muss differenzierter und abgestimmter auf die unterschiedlichen Zielgruppen erfolgen. Drittens: Bezüglich Linksextremismus und Islamismus existieren in Deutschland offensichtlich Forschungsdefizite. Viertens: Um Gegenstrategien zur Wirkung extremistischer Propaganda zu entwickeln, müssen die Wirkung von Propaganda, die durch alle gesellschaftlichen Schichten geht, sowie die beeinflussenden Faktoren, mehr diskutiert werden. Hierbei spielt aber auch eine Rolle, dass manchmal Repression erforderlich sein kann. Fünftens: Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, junge Menschen vor den Gefahren des Extremismus und solcher Gruppierungen und Netzwerke zu schützen.

Die Gäste der Tagung kamen aus ganz Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz, die vertretenen Fach- und Berufsbereiche erstreckten sich vom Bereich Polizei, Kriminologie, Verfassungsschutz, Justizvollzug und Bewährungshilfe über Sozialwissenschaft, Medizin, Rechtswissenschaft bis hin zur Theologie und Medienwissenschaft. Die Kooperation zwischen Sicherheitsbehörden und Wissenschaft soll dazu beitragen, potentielle Konfliktquellen zu entschärfen und einen reflektierten Umgang mit gesellschaftlich relevanten Gefahrenquellen zu gewährleisten. Das gemeinsame Symposium von Polizeidirektion und Universität fand in diesem Jahr zum vierten Mal statt. Die jährliche Veranstaltung hat sich mit ihren aktuellen Themen und zahlreichen namhaften Referenten einen Namen gemacht und sich bundesweit etabliert.


 
 
Prof. Dr. Martina Blasberg-Kuhnke, Universität Osnabrück
 
Bernhard Witthaut, Polizeipräsident Polizeidirektion Osnabrück
 
Dr. Rudolf van Hüllen, Freier Extremismusexperte
 
 
Graphic-Recording vom Team Anna Lena Schiller & Team
 
Visuelle Begleitung der Veranstaltung durch Graphic Recording
Artikel-Informationen

06.10.2017

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