Polizei im Nordwesten mit „Bodycams“ im Einsatz

Die Polizeidirektion Osnabrück wird künftig gesondert ausgebildete Polizeibeamtinnen und -beamte mit dem Einsatz von Bodycams in Emden, Aurich und Osnabrück im Rahmen eines dreimonatigen Pilotprojektes der niedersächsischen Polizei probeweise einsetzen. Das teilte Polizeivizepräsident Friedo de Vries heute (13.12.16) in einem Pressegespräch in Osnabrück mit. de Vries: „Zum Schutz vor gewalttätigen Übergriffen auf Polizeibeamtinnen und -beamte werden wir ergänzend Bodycams einsetzen." Sofern es zu Übergriffen und Widerstandhandlungen kommt, können die Aufzeichnungen noch dazu als Beweismittel dienen. Auch die präventive Wirkung, die von dem neuen Einsatzmittel ausgehe, sei von großem Wert. „Die Bodycams tragen auch zur Deeskalation bei", so de Vries. Der offene und vorher angekündigte Einsatz der Kameras wird gerade auch in Einsatzsituationen des täglichen Dienstes wie Anhalte- und Kontrollsituationen eingesetzt, allerdings zunächst ohne Tonaufnahmen. Die neue Videotechnik wird ausschließlich von Einsatzkräften in Uniform genutzt, die zusätzlich eine gelbe Weste mit der Aufschrift „VIDEOAUFZEICHNUNG" tragen.

Hintergrund der Einführung von Bodycams ist die deutliche Zunahme der Qualität und Intensität der Gewalt gegen Amtsträger in Niedersachsen. Die Polizeidirektion Osnabrück verzeichnete in 2015 insgesamt 452 Fälle im Phänomen-Bereich Gewalt gegen Polizeibeamte. Hierbei wurden in 167 Fällen 280 Polizisten im Dienst, vom Teutoburger Wald bis zu den ostfriesischen Inseln, leicht oder sogar schwer verletzt - eine Zunahme um 52 Taten bzw. 31 %. de Vries: „Polizisten sehen sich immer öfter bei Einsätzen einer größeren Gefahr ausgesetzt, schwere Verletzungen davonzutragen." Der Einsatz der Bodycams schrecke hoffentlich viele potentielle Täter von ihrem Vorhaben ab. Besonders bei den alltäglichen Kontrollen, die teilweise von Aggressivität geprägt sind, erhofft sich die Polizei eine deeskalierende Wirkung der kleinen Kameras zum Schutz der eingesetzten Polizeibeamtinnen und -beamte.

Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, hatte gestern den Startschuss für das landesweite Pilotprojekt gegeben, welches bis zum 31.03.17 andauert. In anderen Bundesländern werden die Bodycams bereits in Projekten - in Hessen bereits seit einem Jahr landesweit als fester Bestandteil der polizeilichen Arbeit - genutzt.
 
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06.10.2017

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