Mutmaßliche Mitglieder einer international agierenden Hackerbande von Telefonanlagen festgenommen

Pressemitteilung Nr. 10/17 der Staatsanwaltschaft Osnabrück vom 08.11.2017


Deutsch-italienische Ermittlungskooperation erfolgreich

Der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität der Staatsanwaltschaft Osnabrück ist mit der Task Force Cybercrime der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück in enger Zusammenarbeit mit den italienischen Strafverfolgungs­behörden in Bozen ein bedeutsamer Schlag gegen eine international agierende Betrügerbande gelungen.

Die Bande steht im Verdacht, zwischen Anfang 2011 und Juli 2017 in über 300 Fällen gezielt über das Internet nach großen Telefonanlagen vom Typ Alcatel Omnipax und Siemens Hi-Path gesucht und sich in die Telefonvermittlung vorwiegend deutscher Unternehmen und Behörden eingewählt zu haben. Dabei nutzten die Täter aus, dass in den betroffenen Telefonanlagen Standardkennziffern für die Einwahl voreingestellt und nicht verändert worden waren. Nach der Einwahl richteten die Täter eine Rufumleitung auf eine von ihnen selbst zuvor angemietete ausländische Mehrwert­diensterufnummer ein und veranlassten in kürzester Zeit möglichst viele Anrufe auf diese Rufnummer. Damit die Häufung der Anrufe möglichst lange unbemerkt blieb, erfolgten diese Angriffe vielfach an Wochenenden, an denen die Firmen und Behörden nicht oder nur wenig besetzt sind. Zu den in Deutschland geschädigten Behörden gehören unter anderem das Landgericht Osnabrück und das Oberlandesgericht Hamm. Daneben haben sich aus den bisherigen Ermittlungen auch Hinweise auf zahlreiche weitere Geschädigte im europäischen Ausland (u.a. Frankreich, Niederlande) ergeben. Den geschädigten Firmen und Behörden wurden in Folge der Angriffe durch die Telefonanbieter Geldbeträge in Höhe von über 2,5 Millionen Euro in Rechnung gestellt.

Umfangreiche und länderübergreifende Ermittlungen führten schließlich im April 2017 zu einem ersten Zugriff in Italien. Mit Unterstützung der italienischen Strafverfolgungsbehörden in Bozen sowie der örtlichen italienischen Polizeikräfte durchsuchten deutsche Polizeibeamte und Staatsanwälte aus Osnabrück zeitgleich über ein Dutzend Objekte in Bozen, Mailand, Genua, Pioltello, Rodano, Ancona und Rom. Dabei konnte diverses Beweismaterial sichergestellt werden. Gegen vier der insgesamt 13 Beschuldigten wurden Haftbefehle wegen gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Computerbetruges vollstreckt. Im Juli 2017 wurden ein weiteres Objekt in Romano di Lombardia durchsucht und zwei weitere Beschuldigte festgenommen.

Vier der in Italien festgenommenen Beschuldigten wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Osnabrück mittlerweile an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. Gegen einen Beschuldigten, der nicht ausgeliefert wurde, ermittelt die italienische Justiz in eigener Zuständigkeit.

Die intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit der deutschen und italienischen Straf­verfolgungsbehörden ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass Polizei und Justiz der internationalen Computerkriminalität auch grenzüberschreitend wirksam ent­gegen­treten können.
 
Artikel-Informationen

08.11.2017

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