Niedersächsisches Forschungsprojekt zu mehrfachen Wohnungseinbrüchen beendet

Einbrecher eher an erfolgreicher Tatausführung als an hoher Beute interessiert – Objekte mit ungepflegtem Zustand öfter betroffen – Sicherungsmaßnahmen an Häusern und Wohnungen schrecken Täter ab -


Mehrfach betroffene Objekte von Wohnungseinbrüchen waren Gegenstand einer in Niedersachsen erstmalig durchgeführten empirischen Untersuchung der Polizeidirektion Osnabrück und des Landeskriminalamtes Niedersachsen, die nunmehr abgeschlossen ist. Ausgangsfrage des Forschungsprojektes war: Warum suchen Täter bestimmte Häuser und Wohnungen mehrmals, andere nur einmalig auf? Die ersten Ergebnisse der Studie: Bei der Objektauswahl kommt es den Tätern grundsätzlich nicht auf eine hohe potentielle Beute an, sondern eher darauf, ob die Tatausführung gelingen könnte oder nicht.

Weitere Erkenntnisse sind, dass Objekte, die sich in einem ungepflegten Zustand befinden oder bei denen in der unmittelbaren Umgebung Müll auf den Straßen bzw. Sachbeschädigungen festgestellt wurden, eher mehrmals von Einbrechern heimgesucht werden. Ein weiteres Kriterium für die Objektauswahl - aus Sicht der Täter - ist, wie gut Häuser und Wohnungen mit Sicherungsmaßnahmen ausgestattet sind. „Einen großen Einfluss, ob in einem Gebäude einmal oder mehrmals eingebrochen wurde, haben Sicherungsmaßnahmen. Einfache technische Maßnahmen wie beispielsweise Bewegungsmelder senken das Risiko einer mehrfachen Betroffenheit", so Alexander Gluba, von der Kriminologischen Forschungsstelle (KFST) des LKA Niedersachsen, der mit seinem Team die Studie durchführte. Gluba weiter: „Bereits ein bestimmter Grundschutz an Fenstern und Türen hat den Effekt, dass Objekte weniger attraktiv auf potentielle Täter wirken und viel seltener mehrfach viktimisiert werden." Polizeipräsident Bernhard Witthaut zu den Ergebnissen: „Die ersten Erkenntnisse aus der Studie werden in den Bereich der Kriminalprävention fließen. So können wir beispielsweise für besonders gefährdete Objekte noch zielgerichteter Präventionstipps geben." Manche Ergebnisse entsprechen dagegen auch nicht den Annahmen der Forscherinnen und Forscher. So wurde im Vorfeld angenommen, dass eine Mischnutzung von Objekten, wenn beispielsweise eine Arztpraxis ansässig ist, mehrfache Einbrüche fördert, da der Zugang zum Gebäude erleichtert und die soziale Kontrolle verringert sei. Dies konnte nicht festgestellt werden.

Mit der vorliegenden Studie, deren Abschlussbericht Anfang 2016 in Form eines Aufsatzes in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht werden soll, sei ein erster Versuch unternommen worden, sich der Frage zu nähern, weshalb einige Gebäude häufiger als andere von Tätern als Tatobjekt ausgewählt werden. Die sogenannte Flag-Hypothese, die das Vorhandensein von mehrfachtatbegünstigenden Merkmalen unterstellt, kann mit den gefundenen Ergebnissen nur bedingt gestützt, aber auch nicht komplett verworfen werden. Gluba: „Wir finden kaum statistisch signifikante Unterschiede, was einmalig und mehrmals von Wohnungseinbrüchen betroffene Objekte angeht." Unterschiede zwischen betroffenen und nicht betroffenen Gebäuden seien im Rahmen der Studie nicht getestet worden

Im Sommer diesen Jahres wurden rund 200 einfach und mehrfach von Wohnungseinbrüchen betroffene Häuser in Stadt und Landkreis Osnabrück dahingehend untersucht, ob sie bestimmte Merkmale aufweisen, die eine wiederholte Viktimisierung begünstigen. Hierzu nahm Laura Hoppe, Masterstudentin im Bereich Kriminologie in Malmö, im Auftrag der Polizeidirektion Osnabrück, anhand eines entwickelten Fragenkataloges die Objekte - von Bramsche über Bad Iburg bis Bad Essen - unter die Lupe.

Neben wissenschaftlicher „Pionierarbeit" sollten durch die Studie aber auch Erkenntnisse darüber gewonnen werden, weshalb manche Tatobjekte mehrmals ausgewählt werden und manche nur einfach. Denn die polizeiliche Erfahrung zeigt, dass man sich nicht nur vor wiederholten Einbrüchen, sondern auch vor Einbrechern überhaupt sehr wohl schützen kann, ohne das eigene Haus oder die Wohnung zu einer Festung ausbauen zu müssen:

- Schon einfache technische Maßnahmen können das Einbruchsrisiko erheblich reduzieren.

- Wichtig zu wissen ist, dass bei einem Neu- oder Umbau der Einbruchschutz mit deutlich geringerem Aufwand möglich ist, als bei einer späteren Nachrüstung.

- Die polizeilichen Beratungsstellen geben hier wichtige Tipps zum Thema Einbruchschutz. Die Beratung ist kostenlos, neutral und firmenunabhängig.

- Darüber hinaus vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) günstige Darlehen und nicht rückzahlbare Zuschüsse für Investitionen in den Einbruchschutz.

Artikel-Informationen

16.12.2015

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