Prävention, die unter die Haut geht - Das Präventionsprojekt „Abgefahren – wie krass ist das denn“

Die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim startete im Rahmen eines niedersächsischen Pilotprojektes das Verkehrspräventionsprojekt "Abgefahren - wie krass ist das denn". Es handelt sich dabei um ein Bühnenprogramm für Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen von Gymnasien und Berufsbildenden Schulen, das vom Präventionsteam der Polizeiinspektion unter Federführung von Polizeioberkommissar Klaus Wermeling entwickelt wurde. Von Februar bis Juni 2014 werden in acht Veranstaltungen im Emsland und der Grafschaft Bentheim insgesamt rund 3600 Schülerinnen und Schüler das Programm verfolgen können. Das Präventionsprojekt besteht aus drei Modulen: Der Vorbereitung in der Schule, dem Bühnenprogramm und einer Nachbereitung durch die Landesverkehrswacht.

Während des Programms schildern verschiedene Akteure wie Polizeibeamte, Feuerwehrleute, Rettungssanitäter, Notärzte, Notfallseelsorger und Unfallbeteiligte aus ihrer Sicht und auf ihre eigene emotionale Weise die Beteiligung an schweren Verkehrsunfällen mit regionalem Bezug. Unterstützt wird diese persönliche Darstellung durch Fotos und kurze Ton- und Filmsequenzen.

An der Auftaktveranstaltung in Werlte nahmen die Akteure der vier gebildeten Teams aus Lingen, Meppen, Nordhorn und Papenburg sowie geladene Gäste teil. Der Leiter der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim, Leitender Polizeidirektor Karl-Heinz Brüggemann, machte in seiner Ansprache deutlich, dass es bei den Aufführungen vor den Schülerinnen und Schülern darum gehe, das Thema Verkehrssicherheit in den Köpfen der jungen Leute zu verankern. "Das neue Präventionsprogramm soll die emotionale Ebene ansprechen. Raserei, Drogen und Alkohol am Steuer, Nicht-Anschnallen aber auch die Folgen, die dieses Verhalten nach sich ziehen kann, ist jedem bekannt und wird dennoch vielfach ignoriert. Die Darstellungen der Akteure gehen unter die Haut und es dürfen auch Tränen fließen."

Der Polizeipräsident der Polizeidirektion Osnabrück Bernhard Witthaut zeigte sich in seiner Rede von dem Projekt und der Arbeit der Präventionsteams sehr beeindruckt: "Die Präventionsteams haben hervorragende Arbeit geleistet. Ich hoffe, dass die Nachhaltigkeit der Bilder und Worte dazu beitragen, dass die Zahl der Unfälle mit Toten und Schwerverletzten sinkt. Ich bin mir sehr sicher, dass dieses Programm nach der Projektphase landesweit eingeführt wird."

Die erste Veranstaltung fand am 11. Februar 2014 in Nordhorn im Konzert- und Theatersaal vor über 470 Schülerinnen und Schülern statt. Vorbereitet hatte das Bühnenprogramm das Team um Edgar Eden, dem Verkehrssicherheitsberater der Polizei in Nordhorn. In der zweistündigen Vorstellung schilderte u.a. eine 21-jährige Frau einen Unfall, bei dem ein Wagen, der mit vier Personen besetzt war, von der Straße abkam und gegen einen Baum prallte. Sie selbst war die Fahrerin des Fahrzeugs, in dem eine Mitfahrerin starb. Die 12-jährige Tochter der Toten saß ebenfalls auf der Rückbank des Wagens. Mit zittriger Stimme erläuterte sie das Geschehen und hofft, mit ihrer tragischen aber auch mutigen Geschichte die Zuhörer zu erreichen.

In einem weiteren Fall schildert ein Vater den Verkehrsunfall des eigenen Sohnes, gemeinsam mit einem Polizeibeamten, der an der Unfallstelle gewesen ist. Der Polizeibeamte schilderte den Spagat zwischen menschlichen Emotionen und der erforderlichen Professionalität und objektiven Distanz zum Geschehen. Mit bewegter und ruhiger Stimme sprach daraufhin auch der Vater über den schrecklichen Tag, an dem er und seine Ehefrau ihren 20-jährigen Sohn verloren. Es sind Berichte von Schicksalen, die den Zuhörer nicht mehr loslassen und begleiten.

So war es auch bei der Veranstaltung in Papenburg am 26. Februar 2014. In der Stadthalle versammelten sich etwa 560 Schülerinnen und Schüler und immer wieder müssen vereinzelt Zuhörer tief bewegt und schmerzlich berührt den Saal verlassen.

Am Ende wird auf der Bühne ein großer Luftballon präsentiert, an dem Klebezettel mit niedergeschriebenen Träumen und Wünschen der Zuhörer klebten, die diese vor der Veranstaltung dort angeklebt hatten. Einige der Wünsche wurden durch das Team vorgelesen, bis ein Knall die Zuhörer aufschrecken ließ. Mit einer Nadel wurde der Ballon zum Platzen gebracht, um zu symbolisieren, wie schnell auch Träume zerplatzen können. Der Appell zum Abschluss der Veranstaltung, vermittelt durch den Verkehrssicherheitsberater der Polizei in Papenburg Gerd Müßing, ist eindeutig: „Lasst eure Träume nicht zerplatzen wie diesen Ballon! Es gibt euch nur einmal auf dieser Welt. Passt auf euch auf und seit immer achtsam im Straßenverkehr!"

Nach der Veranstaltung verlassen die Schülerinnen und Schüler wortlos und in absoluter Ruhe den Saal. Auf der Bühne brennen 10 Kerzen, jede steht für eines der geschilderten Schicksale junger Menschen. Keine weitere Kerze mehr anzünden zu müssen, das wünschen sich alle Beteiligten und hoffen, die Schülerinnen und Schüler durch diese Form der Verkehrsprävention sensibilisiert zu haben, sich an die Regeln im Straßenverkehr zu halten, um dadurch das eigene Leben und das Leben anderer nicht zu gefährden.





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Artikel-Informationen

09.10.2017

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